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09. Oktober 08

Radio 2.0: Music in the Air

Auf der Online-Marketing-Messe OMD in Düsseldorf letzten Monat war die Herausforderung der klassischen Medien durch das Internet eines der Hauptthemen. Dabei durfte das Radio nicht fehlen, und auf einer Podiumsdiskussion mit dem vielversprechenden Titel "New Radio" trafen die verschiedenen Zukunftskonzepte aufeinander.

Die Podiumsdiskussion ist für die Nachwelt leider nur zur Hälfte als Video verfügbar, so daß die pointierte Auseinandersetzung in der zweiten Hälfte um Dudelfunk versus Qualitätsradio versus Radio 2.0 nicht mehr nachträglich genossen werden kann. Trotzdem gibt auch die erste Hälfte schon einen guten Einblick in das Thema.

Auf dem Podium von links nach rechts: Rainer Henze von laut.fm, Christian Richter von radio.de, Ruben Jonas Schnell vom Hamburger Webradio byte.fm, Andreas Sallam von InLiMedia, Moderator und Organisator der New TV & New Radio Area auf der OMD, Doris Grau vom größten deutschen Privatradio Antenne Bayern, Constantin Thyssen von roccatune, ich als Vertreter von 1000MIKES, Sten Foeth von RMS, dem führenden Radio-Vermarkter in Deutschland.

Sehr beindruckend ist der Erfolg von radio.de, über den Christian Richter berichtete. Über 700.000 Besucher pro Monat hat das Portal zu verzeichnen, das Webradiostationen aus der ganzen Welt versammelt. Dabei bestätigt sich das Web-Phänomen des "Long Tail": die Top Ten der Radiokanäle auf radio.de bringen es zusammen gerade mal auf 10% der Hörer - die anderen 90% teilen sich auf die vielen mittleren und kleineren Kanäle auf. Christian projiziert das in die Zukunft: "Es wird eine Explosion der Audioinhalte, der Vielfalt der Audioinhalte... der Gewinner dabei ist der Nutzer". Mehr dazu in dem sehenswerten Videointerview von Markus Willnauer mit Christian Richter. (Große Freude bei uns darüber, daß Christian dabei einen 1000MIKES- Button trägt...) Weitere OMD-Interviews zum Thema: Lutz Kuckuck von der Radiozentrale und Kristian Kropp von BigFM.

Sehr schade ist, daß die Beiträge von Rainer Henze von laut.fm in dem Video nicht mehr erhalten sind. Für mich ist laut.fm - nicht zu verwechselt mit last.fm - eines der charmantesten Konzepte des Radio 2.0. Die Nutzer stellen ihr eigenes Musikradio zusammen - sie laden dazu selber Tracks hoch oder wählen aus den bestehenden. Die GEMA-Gebühren übernimmt laut.fm und finanziert diese über Werbung. Meine Meinung: Ein von Musikliebhabern erstelltes Programm, wie bei laut.fm, oder von Radioprofis wie bei byte.fm, hat einfach Charakter, Stil, Aussage.


Datenbankgenerierte Playlists können dies nicht bieten, egal ob über Analyse von Hörgewohnheiten wie last.fm (mit s!), Analyse der Musikstücke durch Experten (Pandora) oder mathematische Algorithmen (mufin), durch stilistische Einordnung wie bei Moodmixer aus Hamburg oder gar durch den Charterfolg und Zielgruppen-Matching wie bei den meisten Privatradios. Trotz dieser Vorbehalte ist der Erfolg von last.fm (mit s!) bewundernswert, und das Interview mit Gründer Martin Stiksel auf turi.tv sehr aufschlußreich.

Überhaupt tut sich im Bereich Musik und Web derzeit sehr viele. Es gibt vermehrte Anzeichen, daß die Musikindustrie ihre Obstruktionshaltung gegenüber dem Internet aufgibt, auch wenn auf der diesjährigen Popkomm in Berlin die Vertreter des Fortschritts noch einen schweren Stand gegen die Betonköpfe und Lobbyisten haben.

Meilensteine sind die Aufgabe von DRM und die Unterstützung von werbefinanzierten Modellen. Zum Erfolg verdammt ist Myspace Music, wo Nutzer ihre eigenen Playlists auf ihre Profilseiten stellen können. Schon wenige Tage nach dem Start wurden bereits mehr als eine Milliarde Songs gestreamt. Die Musiklabels haben sich gleich 40% der Anteile an Myspace Music gesichert. In Deutschland ist der Service noch nicht verfügbar.

Ebenfalls werbefinanzierte Musik über das Internet will das mit großen Vorschußlorbeeren gestartete schwedische Startup Spotify anbieten. Außerdem ist gerade LP33.tv an den Start gegangen, eine Art Schaufenster für Musiker im Internet.

Zum Abschluß mein persönlicher Favorit: Soundcloud aus Berlin. Alexander Ljung und seine Partner haben sich ein einfaches Problem vorgenommen und absolut überzeugend gelöst: der professionelle Austausch von Musikdateien übers Internet. Darüberhinaus versteht sich Soundcloud als offene Audio-Plattform: "We believe that audio is a key part of the web" - wir unterschreiben das. Am 10. Oktober ist der public launch von Soundcloud. Unbedingt ausprobieren!

Für uns bei 1000MIKES sind die neuen Musikservices eine wunderbare Ergänzung, und wir werden genau schauen, auf welche Art wie wir sie integrieren können.

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