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13. Januar 08

Der Niedergang des Mediums Fernsehen

Seit einigen Wochen häufen sich die Hiobsbotschaften für das Medium Fernsehen. Der Fernsehkonsum sinkt erstmalig auf breiter Basis und europaweit verdrängt Internet das Fernsehen in der Gunst der jüngeren Mediennutzer. Die Marktanteile der Großen bröckeln zugunsten von Nischensendern. Die Sendergruppe ProSiebenSat1 schreibt überraschend rote Zahlen (wegen Mauschelei bei der Werbezeitenvermarktung).

Konstatiert wird ein rasanter Verfall der Qualität: die Süddeutsche schießt sich mit Titeln wie "Mixtur des Grauens" und "Fernsehen macht dick, faul und gewalttätig" auf das Privatfernsehen ein. In Italien ist die Entwicklung am weitesten fortgeschritten - das Internet hat dort bereits die Pole Position übernommen. Zu allem Überfluß entpuppt sich das Internet als das effektivere Werbemedium.

Das aktuelle Qualitätsproblem des Fernsehens folgt einem simplen Mechanismus. Die anspruchsvollsten Nutzer verabschieden sich ins Internet, dadurch sinkt der durchschnittliche Qualitätsanspruch der Zuschauer. Ergo, um ihre Quote zu halten, müssen die Fernsehmacher das angebotene Qualitätsspektrum entsprechend absenken, denn es zielt auf genau diese Mitte. Dadurch verlieren sie weiter am oberen Ende. Eine Negativspirale ist in Gang gesetzt.

Läßt sich der Abwärtssog noch aufhalten? Das Fernsehen muß sich auf seine Stärken fokussieren. Die erfolgreichsten Sendungen des vergangenen Jahrs waren Live-Sportübertragungen und der Dauerbrenner Wetten-Daß. Ich glaube, es ist kein Zufall, daß Wetten-Daß auch eine Livesendung ist. Das Liveerlebnis verbindet die Zuschauer miteinander, gibt ihnen Gesprächsstoff für den nächsten Arbeitstag, für den Schulhof, für den Stammtisch. Gottschalk zelebriert die Livesendung opulent als gesamtgesellschaftliches Ereignis. Gleiches gilt für die erfolgreichen Talkshows. Wer sie verpaßt, ist nicht auf dem Laufenden, kann nicht mitreden.

Gottschalkbriefmarke
(c) obs/Österreichische Post

Die Livesendung ist die letzte Bastion des Fernsehen. Nur die Livesendung kann das Fernsehen mittelfristig noch retten, bevor es endgültig seinen Rang als Leitmedium an das Internet abgeben muß.

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Kommentare

Tobias

Gibt´s die Briefmarke wirklich oder ist das nur Fake?

FFD

Ja, man kann sie sogar im Onlineshop der österreichischen Post unter http://www.post.at/eshop/philatelieshop/detail.php?prod=207360 kaufen.

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